Wer mehrere Proxmox-Standorte oder verschiedene Cluster betreibt, kennt das Problem: Für viele Aufgaben springt man zwischen einzelnen Oberflächen, prüft Zustände doppelt und verliert schnell den Gesamtüberblick. Genau an dieser Stelle setzt Proxmox Datacenter Manager 1.1 an. Das Update erweitert die zentrale Verwaltung deutlich, ohne dabei mehr zu versprechen, als es heute schon leistet.
Der Release wurde am 28. Mai 2026 offiziell angekündigt. Dabei geht es nicht um den ersten stabilen Stand des Produkts, sondern um ein Point Release. Die erste stabile Version 1.0 hatte Proxmox bereits am 4. Dezember 2025 veröffentlicht. Version 1.1 richtet sich laut Proxmox vor allem an größere, verteilte Multi-Site-Umgebungen, in denen Sichtbarkeit und wiederkehrende Abläufe wichtiger werden als die Verwaltung eines einzelnen Hosts.
Was PDM überhaupt macht
Proxmox Datacenter Manager, kurz PDM, bündelt Informationen und Verwaltungsfunktionen über mehrere angebundene Systeme hinweg. Als sogenannte Remotes lassen sich Proxmox VE Nodes oder ganze Cluster sowie Proxmox Backup Server Instanzen einbinden. Für Teams mit mehreren Standorten ist das interessant, weil nicht jede Abfrage und jeder Standardvorgang direkt im jeweiligen Einzel-System starten muss.
Für kleine Einzelinstallationen ist PDM nicht zwingend nötig. In verteilten Umgebungen sieht das anders aus. Dort spart eine gemeinsame Sicht auf Infrastruktur, Gäste und Zustände oft Zeit, gerade wenn verschiedene Administratoren an denselben Plattformen arbeiten.
Was in Proxmox Datacenter Manager 1.1 neu ist
Der Schwerpunkt von Version 1.1 liegt auf vier Bereichen: Installation, Sichtbarkeit, Monitoring und erster zentraler Guest-Verwaltung.
Was NEU (Release Notes) – Kurzübersicht
- Automatisierte Installation mit getrennten Bearer-Tokens: Integrierte Installations-Workflows, Tokens pro Installation – Deployments bleiben sauber voneinander abgegrenzt.
(Weitere Details in den Praxis-Beiträgen zur Proxmox-Installation, z. B. Proxmox 2FA-Einrichtung.) - Zentrales Subscription-Management: Zentrale Registry für Subscriptions; kein eigener PDM-Subscription; Zugriff auf Enterprise Repository und Support hängt an aktiven Subscriptions der angebundenen Remotes.
- Einheitliches Ceph-Monitoring: Ein einheitliches Ceph-Cluster-Monitoring über Remotes ermöglicht mehr Sichtbarkeit. Beachten Sie, dass dies Monitoring bedeutet, nicht eine vollständige zentrale Ceph-Konfiguration. Mehr Praxisansätze finden Sie in unserem Ceph-Cluster-Check.
Ceph-Cluster-Check in Proxmox-Umgebungen. - Zentrale Guest- und Snapshot-Verwaltung: Erste zentrale Ansicht auf QEMU-VMs und LXC-Container über Remotes hinweg; Snapshots können angezeigt, angelegt, zurückgerollt, gelöscht und beschrieben werden; Resume-Funktion für pausierte VMs.
- Bessere Visualisierung im Dashboard: Karten-Widget, Gauge-Widgets für CPU, RAM und Storage; lokale Host-Metriken des PDM-Servers als RRD-Graphen – hilfreich in verteilten Umgebungen.
Hinweis: Diese Punkte repräsentieren den Release-Noten-Charakter der NEUEN Funktionen. Weitere Details zu einzelnen Features finden Sie in den jeweiligen Fachartikeln auf unserem Blog.
Automatisierte Installation mit getrennten Bearer-Tokens
Neu sind integrierte automatisierte Installations-Workflows. Proxmox trennt dabei die Bearer-Tokens pro Installation. Das ist für die Praxis sinnvoll, weil Deployments dadurch sauberer voneinander abgegrenzt werden können. Wer etwa neue Systeme an mehreren Standorten vorbereitet, kann Installationsvorgänge zentraler planen und muss weniger manuell nacharbeiten.
Zentrales Subscription-Management
PDM 1.1 bringt außerdem eine zentrale Registry für Subscriptions mit. Das hilft vor allem dort, wo viele Proxmox-Remotes verwaltet werden und der Überblick über den Subscription-Status sonst schnell unübersichtlich wird. Dabei ist ein Punkt für die Einordnung wichtig: Es gibt keine eigene Subscription nur für PDM. Der Zugriff auf Enterprise Repository und Support hängt an aktiven Basic- oder höheren Subscriptions der angebundenen PVE- oder PBS-Remotes.
Wenn Sie Ihre Proxmox-Subscriptions strukturiert aufbauen oder konsolidieren möchten, finden Sie dazu auch unsere Seite zu Proxmox Lizenzen und Subscriptions.
Einheitliches Ceph-Monitoring
Für hyperkonvergente Proxmox-VE-Remotes bietet PDM 1.1 jetzt ein einheitliches Ceph-Cluster-Monitoring. Das bedeutet vor allem mehr Sichtbarkeit. Wer Ceph über mehrere angebundene Umgebungen hinweg im Blick behalten möchte, bekommt eine zentralere Sicht auf den Zustand der Cluster.
Wichtig ist die Abgrenzung: Bestätigt ist Monitoring, nicht eine vollständige zentrale Ceph-Konfiguration. Wer tiefer in die Prüfung eines Ceph-Setups einsteigen will, findet in unserem Beitrag zum Ceph-Cluster-Check in Proxmox-Umgebungen passende Praxisansätze.
Zentrale Guest- und Snapshot-Verwaltung als erster Meilenstein
Für viele Admins dürfte das der interessanteste Teil des Releases sein. PDM 1.1 bietet erstmals eine zentrale Ansicht auf QEMU-VMs und LXC-Container über verbundene Remotes hinweg. Diese Ansicht lässt sich als sortierbare Tabelle oder als Baumstruktur nach Remote darstellen.
Dazu kommen erste zentrale Snapshot-Funktionen. Snapshots lassen sich anzeigen, anlegen, zurückrollen, löschen und in ihrer Beschreibung bearbeiten. Für pausierte oder suspendierte QEMU-VMs gibt es zusätzlich eine Resume-Funktion.
Hier lohnt sich eine saubere Einordnung: Proxmox spricht selbst von einer ersten Ausbaustufe. Das ist also noch keine vollständige zentrale Orchestrierung aller Gastsysteme, sondern ein erster echter Meilenstein in diese Richtung.
Bessere Visualisierung im Dashboard
Auch bei der Oberfläche hat Proxmox nachgelegt. Neu sind ein Karten-Widget sowie Gauge-Widgets für CPU, RAM und Storage. Zusätzlich zeigt PDM nun lokale Host-Metriken des PDM-Servers selbst als RRD-Graphen an. Gerade in verteilten Umgebungen hilft das, wenn man die Verwaltungsinstanz nicht getrennt von der restlichen Plattform betrachten möchte.
Warum das Update im Alltag nützlich ist
Der eigentliche Wert von PDM 1.1 liegt nicht in einer langen Feature-Liste, sondern in weniger Reibung bei Standardaufgaben. Wenn Gäste, Snapshots, Subscriptions und Teile des Cluster-Zustands an einer Stelle sichtbar werden, sinkt der Aufwand für tägliche Kontrollen.
Ein einfaches Beispiel: Betreiben Sie zwei Proxmox-Cluster im Hauptstandort und einen weiteren Cluster in einer Außenstelle, dann prüfen Sie nicht mehr jede VM-Liste einzeln. Stattdessen sehen Sie Gäste zentral, sortieren nach Remote und springen gezielter dorthin, wo wirklich Handlungsbedarf besteht.
Auch für Backup-nahe Umgebungen ist das interessant, weil PDM nicht nur Proxmox VE, sondern auch Proxmox Backup Server als Remote einbinden kann. Wenn Sie sich mit dem PBS-Umfeld gerade beschäftigen, ist auch unser Überblick zu Proxmox Backup Server 4.2 relevant.
Was PDM 1.1 noch nicht ist
Wer auf eine komplette zentrale Steuerung aller Proxmox-Aufgaben wartet, sollte die Erwartungen realistisch halten. PDM 1.1 erweitert die Plattform deutlich, ersetzt aber nicht jede Einzelverwaltung in Proxmox VE oder PBS.
Gerade bei der Guest-Verwaltung spricht Proxmox selbst nur von einem ersten Meilenstein. Auch Themen wie Bulk Actions, zentrales Firewall-Management, Backup-Job-Management oder Off-Site-Replication gehören laut Roadmap nicht vollständig zu dem, was 1.1 heute schon abdeckt.
Das ist kein Nachteil des Releases, sondern eine faire Einordnung. Für Teams mit mehreren Standorten ist schon die jetzige Ausbaustufe nützlich, weil sie typische Alltagsaufgaben verkürzt und den Überblick verbessert.
Kompatibilität, Upgrade und Technikbasis
Für angebundene Remotes gilt laut offizieller FAQ eine Mindestversion von Proxmox VE 8.4 beziehungsweise Proxmox Backup Server 3.4. Wer PDM bereits in Version 1.0 nutzt, kann das Upgrade auf 1.1 per APT oder über die GUI durchführen. Minor-Upgrades behandelt Proxmox grundsätzlich wie normale Updates, also etwa mit apt update und apt full-upgrade.
apt update
apt full-upgrade
Ein Upgrade von Alpha-Versionen auf 1.x ist ebenfalls möglich, aber nur auf Basis der offiziellen Migrationsanleitung.
Technisch basiert PDM 1.1 auf Debian 13.5 Trixie, nutzt Linux Kernel 7.0 als Standard-Kernel und bringt ZFS 2.4 mit. Für eine erste Evaluierung reichen laut Proxmox bereits 1 x86-64-Core, 1 GiB RAM und mehr als 10 GB Speicher. Für produktive Systeme empfiehlt Proxmox mindestens 2 CPU-Kerne, 4 GiB RAM, 40 GB Speicher und redundante Multi-GBit/s-NICs.
Ein Punkt, den man beim Betrieb kennen sollte
Bei der Anbindung von Remotes prüft PDM Zertifikate gegen den System-Truststore. Nutzen Ihre Remotes öffentlich vertrauenswürdige Zertifikate, etwa von Let’s Encrypt, laufen Erneuerungen in der Regel ohne manuellen Eingriff. Bei selbstsignierten Standard-Zertifikaten von Proxmox arbeitet PDM dagegen mit Fingerprint-Pinning. Nach einem Zertifikatswechsel kann die Verbindung deshalb scheitern, bis der neue Fingerprint hinterlegt ist.
Gerade für eine zentrale Verwaltungsoberfläche sollte auch der Zugriff selbst sauber abgesichert sein. Falls Sie dafür noch einen schnellen Praxisleitfaden suchen, lesen Sie auch unseren Beitrag zu Proxmox 2FA einrichten.
Wer Proxmox-Umgebungen mit mehreren Clustern oder Standorten plant, ausbaut oder konsolidiert, kann mit Proxmox Datacenter Manager 1.1 heute schon spürbar strukturierter arbeiten. Wenn Sie dabei Unterstützung bei Architektur, Betrieb oder Subscription-Themen brauchen, finden Sie auf unserer Proxmox-Seite weitere Informationen. Mehr praktische Beiträge rund um Proxmox, PVE und PBS veröffentlichen wir laufend im Blog von ADMIN INTELLIGENCE.
Optionaler Abschluss & Weiterführendes
Wenn Sie bei der Umsetzung Unterstützung benötigen, helfen wir Ihnen gerne weiter. Lesen Sie weitere Praxis-Tipps in unserem BLOG: https://blog.admin-intelligence.de/ oder besuchen Sie unsere Proxmox-Seite https://www.admin-intelligence.de/proxmox/.
